Mindestens 20 Millionen Erwachsene leiden in Deutschland auch heute noch
unter einem jodmangelbedingten Kropf, wie die Zeitschrift "Prävention
und Gesundheitsförderung" in ihrer Schwerpunktausgabe 3/2007 zum
Thema Jodmangel berichtet. Hinzu kommen im Alter häufig noch Schilddrüsenknoten
und damit verbunden eine Schilddrüsenautonomie, die zu erheblichen Gesundheitsstörungen
und teils schwerwiegenden Krankheiten führen können. Häufig
sind derartige Schilddrüsenfunktionsstörun-gen den Betroffenen noch
nicht einmal bekannt.
Krank durch Jodmangel
So wurde bei der bundesweiten Papillon-Studie festgestellt, dass jeder dritte
erwachsene Bundesbürger krankhafte Veränderungen an der Schilddrüse
hat, von denen er bis zu den Untersuchungen für die Studie nichts wusste.
Die Autoren der Studie beklagen deshalb auch, dass der Schilddrüse in
deutschen Arztpraxen nicht genügend Aufmerksamkeit zuteil wird und Schilddrüsenfunktionsstörungen
nicht sorgfältig genug behandelt werden.
Jedoch kann nicht nur ein Kropf oder eine Autonomie Folge des Jodmangels sein,
sondern auch eine Vielfalt anderer Störungen. So werden Unfruchtbarkeit
bei Mann und Frau mit Jodmangel in Verbindung gebracht, ebenso wie Früh-
oder Fehlgeburten. Jodmangel bei Schwangeren kann ferner zu einer Schilddrüsenunterfunktion
bei Mutter und Kind führen, was sich letztendlich nachteilig auf die
Hirnfunktionen und somit auch auf die Intelligenz des Kindes auswirken kann.
Die Folge davon können unter anderem eine eingeschränkte Konzentration
und geistige Leistungsfähigkeit im Schulkindesalter sein.
Schwangere und Stillende brauchen Jod für zwei
Deshalb appellieren Schilddrüsenexperten vor allem an Frauen, während
der Schwangerschaft und Stillzeit auf eine ausreichende Jodversorgung zu achten.
In beiden Perioden reicht das in der Nahrung enthaltene Jod nicht aus, um
den erhöhten Bedarf für Mutter und Kind zu decken. Deshalb wird
Schwangeren und Stillenden empfohlen, neben einer jodreichen Grundnahrung
noch 100 bis 150 Mikrogramm Jod in Tablettenform zu sich zu nehmen. Vor einer
Jodaufnahme nach dem Gießkannenprinzip raten die Experten allerdings
ab. Deshalb sollte der Arzt zunächst eine Bestandsaufnahme über
die Jodaufnahme machen und daraufhin dann gezielte Jodzufuhrempfehlungen geben.
Jodreich ernähren
Um sich jodreich zu ernähren, wird in erster Linie der regelmäßige
Verzehr von Seefisch empfohlen. Gute Jodlieferanten sind heute auch Milch
und Milchprodukte, weil Mineralfutter für Kühe tierbedarfsgerecht
mit Jod angereichert wird. Dieses findet sich dann vornehmlich in der Milch
wieder.
Den größten Anteil an der Verbesserung der Jodversorgung in den
letzten 20 Jahren hat jedoch Jodsalz, das möglichst in der gesamten Nahrungskette
verwendet werden sollte. Jodsalz wird heute in über 80 Prozent der Privathaushalte
und in einem Großteil von Großküchen, Bäckereien und
Fleischereien verwendet. Jodmangelbedingte Schilddrüsenvergrößerungen
und -krankheiten sind dadurch bei der nachwachsenden Generation in den letzten
Jahren erheblich zurückgegangen. Nicht zuletzt deshalb gilt die Jodsalzprophylaxe
als eine der erfolgreichsten Vorbeugungsmaßnahmen, die aus diesem Grund
beibehalten, weiter ausgebaut, aber auch ständig kontrolliert werden
sollte.
Die Autoren des Sonderheftes appellieren in diesem Zusammenhang vor allem
an die Lebensmittelwirtschaft, einen größeren Beitrag zu einer
weiteren Verbesserung der Jodversorgung zu leisten. Der sich in den letzten
beiden Jahren abzeichnende Rückgang bei der Verwendung von Jodsalz im
Lebensmittelhandwerk und in der Lebensmittelindustrie von 35 auf 29 Prozent
könnte sonst wieder zu einer Verschlechterung der Jodversorgung führen.
Dieser Rückgang kann auch durch andere Jodquellen wie Milch und Milchprodukte
nicht ausgeglichen werden. Für eine ausreichende Jodversorgung sollten
möglichst in 70 Prozent aller industriell und gewerblich hergestellten
Lebensmittel Jodsalz verwendet werden, so die Experten.
- AKJ -